Freitag der Dreizehnte

13.12.13

Ja, heute ist Freitag der Dreizehnte… Aber der beschissenste Tag war wohl gestern.

Gestern habe ich Arbeitsmedizin geschrieben. Ja ein Kack-Fach eine Kack-Klausur, die irgendwie jeder Idiot mit einer eins besteht. Ich nicht, nein ich bin durchgefallen verdammte Scheiße!

Ich konnte mich irgendwie über diese Selbstzweifel hinwegretten, da mein Freund heute morgen endlich einen Job angeboten bekommen hat und das eine Sorge weniger bedeutet.

Aber heute kamen die Ergebnisse raus und ich bin einer von ZWEI die diese Klausur nachschreiben müssen…..ZWEI!!!! Ich weiß nicht was mit mir los ist. Wo kommt diese Idiotie her?

Ich habe sogar gelernt! Ich habe überdurchschnittlich viel für ein so behindertes Randfach gelernt. Die Vorlesungsfolien komplett geklickt (nicht nur geklickt, ich markiere auch), das Skript dazu gelesen (was von einer anderen Studentin gemacht wurde) und dann im IMPP gekreuzt. Gegen Ende war ich richtig gut, im zweier Bereich…..und dann VERKACKE ich diese dumme Klausur!!!

Was ist das? Demenz? Ganz ehrlich, mir kann keiner erzählen, dass mein Konsum an Youtube Videos sooo dumm macht. Das ist kein scheiß Cannabis – Konsum, das ist verdammt nochmal Youtube!!

Gibt es da Studien zu? Macht das Anschauen von viertelstündigen Videos jetzt frühzeitig dement?

Ich bin 24 und offensichtlich zu dumm.

Ich hatte ja anscheinend schon immer ein Problem mit besonders einfachen Prüfungen. Ich schaffe es durch so grandiose Fächer wie Physik im 2. Semester oder Naturheilkunde zu fallen!!

Histo 1 und 2 oder alle Patho-Scheine mache ich mit links und teils mit wirklich unangemessen geringem Lernaufwand…..und dann kommt mir so ein Lulli – Fach in die Quere und ich verrecke….So ein Dreck.

Da fragt man sich wirklich ob man noch funktioniert. Ich bin jetzt im 6. Klinischen Semester (das 10. Fachsemester) und damit kurz vorm Examen (nach neuer Approbationsordnung) und dann hält mich sowas dämliches wie Arbeitsmedizin auf.

Ich frage mich wirklich manchmal ob ich mein Examen noch in diesem Leben mache und ob ich überhaupt geeignet bin jemals Ärztin zu werden? Ich meine, wenn ich nichtmal in der Lage bin so Fächer, die mit allgemeinem gesunden Menschenverstand zu bestehen sind, zu schaffen, dann scheint da ja eine kognitive Inkompetenz vorzuliegen.

Oder bin ich nur überdurchschnittlich Kritisch, da ich nunmal gesegnet (oder verflucht) bin Medizin zu studieren: ein Fach mit abartigem NC als Einstiegsklausel und überdurchschnittlich strebhaften Studenten.

Ich bin jetzt 24….Ich werde nächstes Jahr im Sommer 25 und mit 26 bin ich (wenn denn mal alles nach Plan läuft) Ärztin…. Und das obwohl ich mir ein Jahr länger Zeitlasse (Doktorarbeit und Prüfungen nachholen, die ich ja gerne mal verkacke). Das ist eigentlich nicht zu bemängeln. Das ist immernoch sehr früh und absoluter Durchschnitt vom Eintstiegsalter. Dennoch habe ich das Gefühl unzureichend und absolut dumm zu sein im Vergleich zu meinen Kommilitionen. Wieso bin ich nicht mehr in Regelstudienzeit? Warum haben alle schon ihre Famulaturen nach dem zweiten klinischen Semester fertig? Warum haben die Leute zeitaufwändige Hobbys nebenbei und lernen offensichtlich trotzdem mehr als ich? Warum können andere nebenbei Jura (!) als Fernstudium absolvieren und trotzdem noch mit Feiern kommen??  Und wichtiger als alles andere: WIESO KANN ICH DAS NICHT????

Bin ich irgendwie mit einer fehlenden Gehirnhälfte zur Welt gekommen? Wo nehmen diese Menschen ihre Kraft und Motivation her? Wenn ich am Ende des Semesters den auslaugenden Klausuren Marathon durchgemacht habe und dann noch ein Monat Blutabnahme-Dienst für umsonst bei einem Praktikum spielen durfte, dann kann ich leider nicht noch einen Spanisch-Kurs anfangen oder ein neues Musik-Instrument lernen….dann will ich einfach Ferien!

Und ich fühle mich regelrecht SCHLECHT deswegen. Ich bin offensichtlich nicht adäquat leistungsfähig. Ein evolutionärer Fehler. In freier Wildbahn hätte man mich schon längst gefressen, weil ich in meinen Ferien keinen Bock habe vor Raubtieren wegzurennen.

Bin ich nicht belastbar? Oder habe ich tatsächlich ein Selbstschutzsystem, welches mich davor bewahrt wie manch anderer Student nach 3 Monaten Praktikum, Wahlfach und Klausurenphase in den Ferien morgens auf dem Weg zum Klinikum in die Mülltonnen einer Pizzeria zu kotzen vor lauter Stress?

Ist das jetzt gut oder schlecht? Kann ich meine Arbeit als Arzt überhaupt leisten, wenn ich nicht gewillt bin 3 Monate am Stück jedes Wochenende 24 Stunden Dienste zu schieben? Ist das das, was einen Mediziner ausmacht? Muss ich bereit sein zur vollständigen Selbstaufgabe? Darf ich niemals mehr auch nur ansatzweise Fehler machen oder unperfekt sein?

Ich weiß es nicht, aber das ist im Moment der Eindruck der mir meine Kommilitionen vermitteln. Wahrscheinlich ist das alles gar nicht so schlimm. Wahrscheinlich mache ich mir viel mehr Druck, als wirklich da ist….aber ich kann nicht anders, weil es ja alle anderen können.

Bin ich nur ein Fehler im System?

14.12.13 01:34

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


t. (14.12.13 02:35)
spinnerin wir wissen woher das kommt.

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